Radtalk
Die Velokonferenz Schweiz – eine wertvolle Ideenschmiede

Warum eine «Velokonferenz Schweiz»? Rebecca Müller und Michael Liebi, Leiterin der Geschäftsstelle bzw. Präsident der Organisation, erläutern dies im neuen Pro Velo-Magazin: Die Velokonferenz ermöglicht es, Fachleute aus Kantonen, Gemeinden und privaten Büros zum Thema Veloplanung zusammenzubringen. Zudem vermittelt sie das Know-how von Ländern, die im Bereich der Velomobilität weiter fortgeschritten sind.
Die rechtliche Grundlage ist vorhanden: Das Veloweggesetz verpflichtet Kantone und Gemeinden zum Handeln. Doch es bleibt noch viel zu tun. Michael Liebi betont einen Paradigmenwechsel: Die Planung, die lange Zeit auf diejenigen ausgerichtet war, die bereits Fahrrad fuhren, muss nun die gesamte Bevölkerung ansprechen – nach dem Vorbild der Niederlande, wo «die ganze Gesellschaft Velo fährt, vom Kind bis zum König».
Was die Sicherheit angeht, fällt die Bilanz ernüchternd aus: «Unsere Strassen sind schlichtweg nicht sicher genug», so Michael Liebi, der unter Verweis auf Helsinki und dessen «Vision Zero»-Strategie dazu aufruft, durchgehende Veloinfrastrukturen und die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h flächendeckend einzuführen. Das Phänomen «Safety in Numbers» – je mehr Radfahrer sichtbar sind, desto mehr passt sich der Autoverkehr an – wird als echter Hebel identifiziert.
Um Pendler dazu zu bewegen, auf das Velo umzusteigen, setzen die beiden Referenten auf Infrastruktur und Komfort: Etwa 60% der Bevölkerung würden mehr Velo fahren, wenn die Voraussetzungen gegeben wären. Rebecca Müller fasst es so zusammen: «Das Velo muss das bequemste Fortbewegungsmittel sein» um sich im Alltag fortzubewegen.
Die Velobahnen, die derzeit in mehreren Regionen geplant sind, werden als entscheidend für das Erreichen des Ziels des ASTRA dargestellt, die Alltagsveloverkehr bis 2035 zu verdoppeln. In den Niederlanden haben die «doorfietsroutes» ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt: Anstieg des Modalanteils, Verringerung von Staus, bessere Lebensqualität der Bevölkerung. Über die klimapolitischen und gesundheitlichen Argumente hinaus, so das Fazit von Rebecca Müller und Michael Liebi, bleibt das Velo auch ein grossartiges Mittel zur Steigerung der Lebensfreude für die gesamte Bevölkerung.