Forschung
Voreingenommenheit in Medienberichten
Schlagzeilen sind alles andere als neutral und prägen auch unser Verständnis von Verkehrssicherheit.

«Velofahrer ums Leben gekommen», «Velofahrerin durch Auto schwer verletzt», «Sturz eines Velofahrers» Lesen oder hören wir solche Schlagzeilen über Zusammenstösse zwischen Velofahrenden und Autofahrenden immer wieder, bemerken wir nicht mehr, was sie gemeinsam haben: die Motonormativität. Diese Voreingenommenheit verstärkt die Dominanz des Autos auf unseren Strassen, in unseren Köpfen und in unserer Sprache. Sie führt dazu, dass Medien und Publikum das Auto unbewusst als Norm betrachten und seine negativen Auswirkungen verharmlosen oder verschweigen.
Um diesen Effekt zu messen, analysierte das OUVEMA* 204 Artikel über solche Zusammenstösse in der Westschweizer Presse (2020–2024). Das Ergebnis: Die Velofahrenden erscheinen in Schlagzeilen oft an erster Stelle und als Subjekt, während Autofahrende häufig fehlen, auf ihr Fahrzeug reduziert oder erst am Ende der Schlagzeile erwähnt werden. Die Rolle des Autos wird verschwiegen, angedeutet oder durch Passivformulierungen abgeschwächt, etwa, wenn es heisst, jemand habe «sich verletzt» statt jemand «wurde angefahren».
* Observatoire universitaire du vélo et des mobilités actives (OUVEMA) à l'Université de Lausanne.