Rad-Talk

Das Bio-Bike wird überleben

E-Bikes dominieren die Verkaufszahlen, Velohändler:innen stehen unter Druck, und die Veloinfrastruktur bleibt ein Schlüsselthema in der Verkehrspolitik. Veloexperte Martin Platter ordnet diese Entwicklungen ein.

Herr Platter, hilft der Ausbau der Velowegnetze der Velobranche, mehr Menschen aufs Velo zu bringen?

Das bleibt zu hoffen. Man muss jedoch realistisch sein. Die Mehrheit der Menschen ist bequem und ängstlich. Deshalb ist das Auto in dieser Hinsicht dem Velo hoch überlegen. Damit sich ihre Einstellung ändert, braucht es überzeugende Gründe. Gute und vor allem sichere Veloinfrastrukturen sind solche.

Fast jedes zweite verkaufte Velo ist ein E-Bike. Verschwindet das «Bio-Bike»?

Gar nicht. Nur schon wegen unserer Regeln, die es erst 14-Jährigen erlauben, aufs E-Bike zu steigen. Dazu kommt der ganze Sportbereich, zu dem das E-Bike einfach nicht so gut passt. Und nicht zu vergessen sind die Fundamentalisten – nicht falsch verstehen, ich zähle mich auch dazu. Das Bio-Bike wird auch deshalb überleben, weil es unschlagbar preisgünstig in der Anschaffung und im Unterhalt ist. So günstig kann ein E-Bike nie sein.

Ist die Schweiz im Umgang mit E-Bikes liberaler als andere Länder?

Teils, teils: Wir haben im Vergleich zum EU-Raum eine höhere erlaubte Leistung im Gesetz, 500 anstatt 250 Watt Nenndauerleistung*, aber auch, wie bereits erwähnt, ein Mindestalter von 14 Jahren. Demnach muss eine 14-jährige Person eine Prüfung ablegen, um ein E-Bike 25 oder ein E-Trottinett fahren zu dürfen. Erst ab 16 ist die Kategorie der sogenannten Leichtmotorfahrräder freigegeben. Dazu kommt die Tagfahrlichtpflicht für E-Bikes. Das ist einzigartig auf der Welt. Umliegende Länder sind da wesentlich liberaler.

In der Öffentlichkeit ­besteht der Eindruck, dass E-Bike-Fahrende ihre ­E-Velos nicht beherrschen. Wie sehen Sie das?

Was heisst «in der Öffentlichkeit»? Das, was die Medien oder die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) schreiben? Ich sehe bei allen Strassenverkehrsteilnehmenden solche, die ihr Fahrzeug im Griff haben, freundlich sind und rücksichtsvoll fahren. Aber eben auch solche, die aufs Handy starren, anstatt auf die Strasse zu schauen, und sich keinen Deut um die Regeln scheren. Ich schätze, das trifft etwa auf jede zehnte Person auf dem Velo, dem E-Bike, dem Scooter, dem Töff, im Auto und im Lastwagen zu.

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