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Einfach aufs Velo steigen
In Bern wachsen viele Kinder in Familien auf, in denen Velofahren keine Selbstverständlichkeit ist. Offene Velonachmittage ermöglichen ihnen einen niederschwelligen Einstieg: kostenlos, spontan und ohne Hürden. Pro Velo Bern schliesst damit eine Lücke.

Velonachmittage für Kinder aus Familien, in denen das Velofahren nicht selbstverständlich ist: «Eine Idee, die 2023 eigentlich aus der Not entstanden ist», sagt Giona Rinaldi, Geschäftsführer von Pro Velo Bern. «Die Familienvelofahrkurse in Bern West liefen nicht so gut. Das Angebot war für viele Familien zu wenig niederschwellig.» Um an einem Velokurs teilzunehmen, müssen viele Bedingungen erfüllt sein: «Eltern müssen die Kinder und sich selbst anmelden, die Kursgebühren bezahlen, Velo fahren können, über fahrtüchtige Gefährte verfügen und Zeit haben, um die Kinder zu begleiten.» Nicht jede Familie habe dafür die nötigen Ressourcen.
Genau hier setzt das Angebot von Pro Velo Bern an: Seit 2023 können Kinder in vier Berner Kindertreffs an den Velonachmittagen, an denen sie ein Velo ausprobieren, einen Helm ausleihen und auf einem Parcours das Velofahren üben können, spontan vorbeikommen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig und die Teilnahme kostenlos. Zudem können die Kinder fahruntüchtige Velos von zu Hause mitbringen, sie vor Ort putzen und von Velomechanikerinnen und -mechanikern flicken und kontrollieren lassen. «Dass diese Aktivitäten genau dort stattfinden, ist kein Zufall», sagt Laura Mosimann von der Stadt Bern: «Die Betreuungspersonen der Treffs motivieren die Kinder, an die Velonachmittage zu kommen. Ohne sie gäbe es diese Anlässe nicht.»
Solche Nachmittage sind für alle Beteiligten arbeitsintensiv: «Meist sind sechs Pro-Velo-Mitarbeitende im Einsatz», sagt Rinaldi. «Etwa Velomechanikerinnen bzw. -mechaniker und Velofahrkursleitende. Hinzu kommen die Betreuenden des Kindertreffs.»
La Littorale, eine fast ebene Strecke für Velofahrende
Diese 48 km lange Veloroute wurde von André Andrade, einem Vorstandsmitglied von Pro Velo Neuenburg, konzipiert.

Zehn Gemeinden, 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner, 48 Kilometer: Die Trasse «La Littorale» im Kanton Neuenburg ist ehrgeizig. Das von den Behörden unterstützte Projekt soll bis 2040 schrittweise umgesetzt werden. Es wird Pendlern ermöglichen, sich auf einer parallel zu den Bahnschienen verlaufenden Strecke mit dem Velo und zu Fuss fortzubewegen.
Im Zug nach Lausanne kam André Andrade, damals noch Student, im Jahr 2020 die Idee für die neue Strecke. «Derzeit muss man aufgrund der aus mehreren Tälern bestehenden Geografie oft bergab und wieder bergauf fahren, um von einem Dorf zum anderen zu gelangen», erklärt er. «Die Bahnstrecke hingegen führt über Brücken und Viadukte. Daher kam mir die Idee, diese zu nutzen.»
Eine durchgehende Strecke entlang der Bahnschienen hat zudem den Vorteil, dass sie überwiegend flach ist. Zudem verbindet sie die Zentren, die Orte des Lebens und der Arbeit, da sich die Urbanisierung um die Bahnhöfe herum entwickelt hat. «Es gibt zwar auch einen Radweg am Seeufer, aber der ist zwischen Autobahn und Wasser eingeklemmt», präzisiert André Andrade, der inzwischen zum Raumplanungsspezialisten geworden ist. Das Tüpfelchen auf dem i: Die Landschaft bietet von dieser Strecke aus einen spektakulären Ausblick.
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