Verkehr 45: Velobahnen anstatt Autobahnen
Bundesrat Albert Rösti bleibt bei seiner Haltung: In der heute Mittwoch vorgestellten Liste der prioritären Verkehrsprojekte geht es vor allem um neue Autobahnen und Schienenausbauten. Ausgerechnet in die Veloinfrastruktur – die billigste und wirksamste Stauvermeidungs-Massnahme in den Agglomerationen - soll nichts investiert werden. Für Pro Velo ist klar: das Velo wird einmal mehr unterschätzt. «Nicht Beton löst Staus, sondern intelligente Alternativen zum Auto wie zum Beispiel das Velo», sagt Nationalrätin und Präsidentin von Pro Velo, Delphine Klopfenstein Broggini (Grüne/GE).

Mit Velobahnen (hier in Austin, USA) kann man unter Umständen auf das Auto verzichten. (Raul Rodriguez/iStock)
Obwohl die Schweizer Bevölkerung das Autobahn-Paket im November 2024 an der Urne abgelehnt hat, setzt Verkehrsminister Albert Rösti weiterhin auf den Ausbau von Autobahnen. Für ihn rechtfertigen die durch Staus verursachten volkswirtschaftlichen Kosten neue Infrastrukturmassnahmen, die Milliarden verschlingen. Pro Velo zeigt jedoch auf, dass es andere Lösungen gibt, die Staus nicht nur kostengünstiger, sondern auch effektiver bekämpfen.
Staus entstehen nicht, weil zu wenige Strassen vorhanden sind, sondern weil in den Spitzenzeiten zu viele Autos gleichzeitig unterwegs sind. Schon 10–15 % weniger Verkehr zur Hauptverkehrszeit reichen aus, um Staus massiv zu entschärfen oder ganz zu vermeiden.
Konservative Schätzungen gehen davon aus, dass auf Agglomerationsabschnitten der Autobahnen und Autostrassen etwa die Hälfte der Fahrten kürzer als 10 km sind. «Selbst wenn nur jede fünfte dieser Kurzstrecken auf das Velo oder das E-Bike verlagert würde, wäre die notwendige Entlastung von 10% erreicht», betont Hasan Candan, Nationalrat und Vize-Präsident von Pro Velo (SP/LU).
Fazit: Ein sicheres und durchgängiges Velowegnetz in Ballungsräumen würde Staus kostengünstiger reduzieren, als es Autobahnausbauten je könnten, und dabei auch die Gesundheit und das Klima schützen. Pro Velo fordert, dass das Potenzial des Velos in der Verkehrspolitik endlich ernst genommen wird – dies umso mehr, als sich der Bund zum Ziel gesetzt hat, die Velostrecken in der Schweiz bis 2035 zu verdoppeln. Die Kantone ihrerseits müssen das Veloweggesetz umsetzen. «Das Velo ist eine zukunftsträchtige Alternative, die durch die ständigen Fortschritte im Bereich der Velomobilität noch verstärkt wird», schliesst Delphine Klopfenstein.
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