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Für die Verkehrswende braucht es eine Gesamtvision

Auszug aus dem Interview mit Professor Axhausen, Lehrstuhlinhaber für Verkehrsplanung und Transportsysteme an der ETH Zürich.

Städtische Mobilität ist in Zeiten des Klimawandels eine grosse Herausforderung für umweltbewusste Stadtverwaltungen und Verkehrsplaner. Viele verschiedene Verkehrsmittel müssen unter ein Dach gebracht und miteinander vernetzt werden - in diesem Fall der Velo- und Autoverkehr auf öffentlichen Strassen.

Im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung erklärt Kay W. Axhausen, dass es seiner Meinung nach an einem langfristigen Konzept mangelt. Die rot-grüne Stadtregierung habe zwar das Ziel, den Fahrradverkehr zu fördern, jedoch würden die Massnahmen nicht ausreichen. Es gebe einen Mangel an durchgängigen Radwegen in der Stadt, da diese oft unvollständig seien oder plötzlich enden würden. Dies liege daran, dass die Stadt kein langfristiges Konzept für eine fahrradfreundliche Stadt habe, sondern stattdessen einzelne Projekte umsetze. Dadurch würden die Interessen verschiedener Akteure wie die Verkehrsbetriebe, das Tiefbauamt und die Verkehrsabteilung in den Vordergrund gestellt.

Herr Axhausen betont im Interview, dass es wichtig ist, ein positives Bild einer neuen Welt zu zeichnen, um die Dekarbonisierung erfolgreich umsetzen zu können. Eine Stadt sollte eine Gesamtvision haben und schöne Bilder von der Verkehrswende präsentieren, ähnlich den Autobahnvisionen aus den 1930er Jahren. Es sollte vermieden werden, den Menschen Horrorbilder von Umweltkatastrophen zu zeigen oder zu betonen, wie teuer alles werden wird. Das könnte abschreckend wirken. Die Idee einer E-Bike-City soll ein solches positives Bild vermitteln, auch wenn nicht sicher ist, ob dies die gewünschten Veränderungen herbeiführt.

Der Professor hält es auch in der Schweiz für realistisch, finanzielle Anreize einzuführen, um für Entlastung auf den Strassen zu sorgen. Es wurde eine Studie durchgeführt, gemeinsam mit Akademikern aus Basel, die zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung durchaus auf solche Anreize reagiert. Eine Preiserhöhung um 100 Prozent führt zu einer Veränderung des Verhaltens um 30 Prozent. Dies mag zwar nicht besonders viel sein, aber es sei immerhin etwas. Es könne jedoch problematisch sein, die Menschen davon zu überzeugen, Tracker in ihre Autos zu installieren, um die gefahrenen Kilometer zu erfassen.

(Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 17.8.23)

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