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Veloverbände befürchten Abbau der Velomitnahme bei der SBB

Veloverbände befürchten Abbau der Velomitnahme bei der SBB
Interpellation von Nationalrat Bastien Girod

Die SBB hat den Verlad von Velos mit mehr als zwei Metern Länge in Fernverkehrszügen verboten. Sie argumentiert mit fehlendem Platz, der wegen der Zunahme von transportiertem Gepäck immer knapper wird. Der grüne Nationalrat Bastien Girod will nun vom Bundesrat wissen, ob er den drohenden Abbau des Veloverlads in Zügen verhindern will.


Die SBB pflegt seit jeher ein weitgehend offenes System für die Mitnahme von Fahrrädern in Zügen. Dieses wird von der Kundschaft geschätzt, werden doch jährlich rund 650'000 Fahrräder in Zügen selbst verladen, Tendenz steigend. Die SBB hat nun den Verlad Fahrrädern mit mehr als 2m Länge - dazu gehören Tandems und lange Liegevelos - in IC-, ICN-, IR- und EC-Zügen per 1. Juni 2016 generell verboten. Die SBB argumentiert mit den prekären Platzverhältnissen in Zügen, die durch die Zunahme von transportiertem Gepäck, Kinderwagen sowie Sportgeräten ständig verschärft werden.

Statt der steigenden Nachfrage nach Abstellraum mit einer Erhöhung des Angebotes zu begegnen, verbannt die SBB die Tandems und langen Liegevelos ganz aus den Fernverkehrszügen. Dies trifft nicht nur Freizeitvelofahrende, sondern auch Sehbehinderte, für die das Tandem der einzige nutzbare Fahrradtyp darstellt.

Die Strategie, in neuen Fernverkehrszügen nur noch mehrere kleine, auf den gesamten Zug verteilte Abstellplätze für „normale“ Fahrräder anzubieten, wird auch den Verlad von Fahrrädern und Kinderanhängern drastisch erschweren und zu Chaos auf den Perrons führen. Velofahrende werden vermehrt von einem Wagen zum nächsten eilen müssen, um nach freien Plätzen zu suchen. Dies dürfte den Verlad deutlich verkomplizieren und die Fahrplanstabilität gefährden.

Die Veloverbände Pro Velo, VS, Future bike und Tandemclub befürchten, dass die Verbannung der Tandems erst der erste Schritt einer Strategie ist, längerfristig generell die Fahrräder auszuschliessen oder ein allgemeines Reservierungssystem einzuführen. Dieser Schritt würde einem historischen Bruch mit der Tradition des (freien) Veloverlads in der Schweiz gleichkommen. Die Schaffung zusätzlicher grosser Multifunktionsflächen in Zügen für alle Arten von Gefährten stellt daher eine strategische Notwendigkeit dar, die nur der Bund als Eigner der SBB AG durchsetzen kann.

Der Zürcher Nationalrat Bastien Girod (Grüne) stellt nun dem Bundesrat in einer Interpellation folgende Fragen:

1. Sieht der Bundesrat die Gefahr, dass durch den steigenden Nutzungsdruck auf Abstellflächen in Fernverkehrszügen das System des (freien) Veloverlads generellgefährdet sein könnte?

2. Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass das (freie) Verladen von Fahrrädern in Fernverkehrszügen ein wesentliches Angebot im Rahmen der Förderung des Langsamverkehrs und Ergänzung des Veloroutennetzes von SchweizMobil darstellt?

3. Ist der Bundesrat bereit, die SBB AG zu verpflichten, den Verlad von Velos inFernverkehrszügen durch die Schaffung zusätzlicher, grosser Abstellflächenweiterhin zu ermöglichen?

Auskunft:

Bastien Girod, Nationalrat, Tel. 079 217 73 06

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