PRIX VELO Betriebe 2013

Velocheck im REHAB Basel

Die Preisträger «PRIX VELO Betriebe 2013» wurden anlässlich der Bike Days in Solothurn am 3. Mai ausgezeichnet. 23 Betriebe haben sich von einer Fachjury bewerten lassen. Das Prädikat «PRIX VELO - velofreundlicher Betrieb 2013» tragen in den nächsten zwei Jahren 19 Betriebe. Der Juryberichtbeschreibt detailliert die Massnahmen der folgenden sechs Preisträger:

 

Die beiden Hauptpreise (je ein Original Schweizer Elektrovelo FLYER)gewinnen REHAB Basel und Stucki Leadership-Teambuilding AG, Thun-Gwatt (und Yverdon) (KMU).

Anerkennungspreise gehen an Die Schweizerische Post, Hauptsitz Bern, die Stadt Lausanne und Stiftung Habitat, Basel (KMU).

Mit dem Spezialpreis ausgezeichnet wird vélocité Lausanne (Yverdon und Neuenburg) (KMU).

Ausschreibungsbroschüre

Artikel Veloförderung im Betrieb (KMU-Magazin 05/2012)

REHAB Basel

Auch der Direktor vom REHAB Basel fährt Velo

Das REHAB Basel, Zentrum für Querschnittgelähmte und Hirnverletzte, punktet in allen drei Bewertungsbereichen: Infrastruktur, Aktionen und Strategie. Begeisterte VelofahrerInnen der Arbeitsgruppe REHAB mobil stecken die anderen Mitarbeitenden an und sogar der Direktor steigt aufs Velo!Bereits beim Bau des Gebäudes vor zehn Jahren wurde den Bedürfnissen der Velofahrenden Rechnung getragen. So finden sich 24 geschützte Veloboxen (mit Platz für je 3 Velos) und weitere 20 Abstellplätze nahe beim Eingang und werden per Video von Sicherheitsleuten überwacht. Die Veloboxen sind beleuchtet, abschliessbar und verfügen über eine Kompressionspumpe sowie eine Steckdose für E-Bikes. Von den kostenpflichtigen Autoparkplätzen profitiert nicht das REHAB, sondern all jene, die an weniger als 20 Tagen pro Jahr das Auto benutzen und zu Fuss, per Velo oder öV pendeln. Denn diese Mitarbeitenden erhalten einen Teil der Einnahmen als Pro-Kopf-Ökobonus von durchschnittlich CHF 200 pro Jahr ausbezahlt. Das Parkplatzreglement (für Autos) ist äusserst restriktiv und garantiert nicht jederzeit einen freien Parkplatz. Das Reglement steht unter dem von der Geschäftsleitung formulierten Leitsatz, dass Autoparkplätze vor allem Patientinnen und Patienten sowie Besuchern zur Verfügung stehen sollen. Nicht dringend aufs Auto angewiesene Mitarbeitende sollen so zum Schutz der Umwelt und zur Gesundheitsförderung beitragen.Der jährliche Velocheck fürs Personal wird vom REHAB Basel finanziert, ebenso kleinere Reparaturen. Dass das REHAB Basel nicht auf dem Erreichten ausruht, zeigt die Tatsache, dass sie plant, bei den Behörden von Basel-Stadt für eine Verbesserung der Zufahrt vorstellig zu werden, damit Velofahrende auf der engen und dicht befahrenen Strasse sicherer unterwegs sein können.

Massnahmen

Stucki Leadership-Teambuilding AG, Thun-Gwatt (und Yverdon)

Die Firma Stucki steht hinter dem Velo

Stucki Leadership-Teambuilding AG umschreibt die Motivation für die betriebliche Veloförderung mit Empowerment. Indem die Firma Stucki einen gesunden Lebensstil und das Velofahren unter ihren Mitarbeitenden fördert, schafft das KMU einen Mehrwert für alle und ist damit Vorbild für Kundinnen und Kunden.Alle Mitarbeitenden sind regelmässig bei Aktivitätsprogrammen wie dem Tappalauf (und auf dem Velo gesammelten Punkten), bike to work oder einer Multisport-Stafette auf dem Velo anzutreffen. Der Stucki-Veloausflugstag gehört zum fixen Jahresprogramm.Mit den gedeckten Velounterständen mit reichlich Platz für alle Velos der Festangestellten, zwei eigenen Firmenvelos und einer Werkstatt, wo Techniker Fritz Stucki Velos repariert und wieder fahrtüchtig gemacht macht, punktet Stucki Leadership-Teambuilding AG auch im Bereich Infrastruktur.Auch strategisch ist die Veloförderung ein Thema: Bereits beim Anstellungsgespräch von Trainern ist deren physische Verfassung ein Thema. In der Risikoanalyse wird dem Ausfall von Schlüsselpersonen mit gesundheitsfördernden Massnahmen entgegengewirkt. In der Folge stehen den Mitarbeitenden Velos, Duschen und Sportbekleidung zur Verfügung. Für Teamwettkämpfe werden die Teilnahmegebühren übernommen. Die betriebliche Gesundheitsförderung ist im Organigramm festgeschrieben. Die Stucki Leadership-Teambuilding AG mit 13 festangestellten und 30 freien Mitarbeitenden (an zwei Standorten) zeigt, dass auch ein eher kleines KMU aktiv Veloförderung betreiben kann.Und damit punktet die Firma mit der Authentizität ihrer Mitarbeitenden, wenn 50% der Mitarbeitenden regelmässig auf dem Citybike, E-Bike, Mountain-Bike oder Faltvelo zur Arbeit fahren. Denn Menschen, die als Trainer Organisationen beim Bewältigen von Krisen oder dem Packen von neuen Chancen behilflich sind, leben die Werte vor, die sie als Trainer den Seminarteilnehmenden vermitteln und sie dazu motivieren, ihr Potential auszuschöpfen.

Massnahmen

Die Schweizerische Post, Hauptsitz Bern

Fotowettbewerb der Schweizerischen Post im Rahmen von bike to work. Foto des Teams Dromedar

«Wer mit dem Velo zur Arbeit fährt, beginnt den Tag aufgeweckt und beschwingt – und schont ganz nebenher auch die Umwelt. Davon profitieren alle.» So äussert sich Yves André Jeandupeux, Mitglied der Konzernleitung von der Schweizerischen Post. Umgesetzt wird das Motto darum selbstverständlich auch vom Hauptsitz aus, am Standort Schönburg in Bern. Hier wartet die Schweizerische Post mit einem strukturierten Programm für Velofahrende auf und punktet in den drei Bereichen Infrastruktur, Aktionen und Strategie. Velofahrende finden sich hier gut zurecht: sie werden gut abgeholt und über eine Rampe in das Untergeschoss geleitet, wo sich mittels eines Badges die Türen automatisch öffnen. Für die rund 200 Mitarbeitenden stehen 120 Abstellplätze, die sieben betriebseigenen Velos und die Velopumpe zur Verfügung. Die Zeichen der Zeit erkennend plant die Post hier auch eine E-Bike-Ladestation. Die nahe gelegene Einrichtung von Duschen, Garderoben und abschliessbaren Kästen für Reservekleider ist eine Selbstverständlichkeit.

Weitere Massnahmen runden das Angebot ab: Velohelm-Aktionen für Mitarbeitende und deren Familien, jährliche Velosicherheitschecks und Sportangebote mit dem Velo. Seit vielen Jahren ist die Schweizerische Post bei der Aktion bike to work dabei und belegte 2012 den ersten Platz in der Top 10-Liste der aktivsten Firmen. Mitarbeitende werden mit Wettbewerben, Verlosungen und kleinen Geschenken jährlich wieder neu für eine Teilnahme motiviert. Kostenpflichtige Autoparkplätze führen dazu, dass die Angebote für velofahrende Mitarbeitende der Schweizerischen Post in Bern auch genutzt werden. Ein ausgebautes Gesundheitsmanagement mit Tipps zu Ernährung und Bewegung und ein Engagement für nachhaltige Mobilität wie «Mobility Carsharing» und «eShare» schärfen das Profil des Betriebs.

Im Laufe des Jahres 2013 realisiert die Schweizerische Post am Hauptsitz eine mit neuester Technik ausgestattete E-Bike-Station «Publibike», finanziert aus dem CO2-Rückerstattungsfonds.

Bewerbung und Massnahmen

Stadt Lausanne

Die Stadtverwaltung von Lausanne vernetzt sich mit Veloförderungsmassnahmen

Veloförderung für Mitarbeitende der Stadt Lausanne ist eine komplexe Aufgabe und bedeutet grossen Koordinationsaufwand. Dies zeigt schon der Plan mit den Veloabstellanlagen. Die rund 500 Veloabstellplätze für Mitarbeitende des öffentlichen Dienstes befinden sich an 13 Hauptstandorten. An diesen sind wiederum verschiedene Verwaltungsbereiche angesiedelt.

Seit vier Jahren wird das Mobilitätsmanagement-Konzept umgesetzt. Die dafür entstehenden Kosten von jährlich einer halben Million Franken werden vollumfänglich durch die Parkplatz-Gebühren von autofahrenden Mitarbeitenden gedeckt. Um ein Umdenken zu erwirken, wurde die Anzahl Autoparkplätze limitiert. Eine zentrale Stelle vergibt restriktiv und nach einheitlichen Kriterien kostenpflichtige Parkplätze. Mit den Einnahmen entstanden in den letzten Jahren überall neue Veloabstellanlagen, so dass heute fast jedem zehnten Mitarbeitenden ein Veloabstellplatz zur Verfügung steht.

Mit dem Bereitstellen von 61 E-Bikes für Mitarbeitende reagiert die Stadt auf die nicht ganz einfache Topographie und macht dazu noch Werbung in eigener Sache. Merkblätter und eine Liste, in der Mitarbeitende allfällige Mängel eintragen können, gewährleisten, dass die E-Bikes, weiss mit rotem Stadtlogo, auch genutzt werden können. Zudem profitieren Mitarbeitende während eines limitierten Zeitraums von beträchtlichen Rabatten beim Kauf eines E-Bikes.

Das Subventions-Modell für Mitarbeitende, die das ganze Jahr über mit dem Velo zur Arbeit fahren, beinhaltet eine Rückerstattung von Reparaturkosten im Wert von CHF 100 sowie eine Ermässigung auf ÖV-Abonnementen in der Höhe von CHF 80 für die Kompensation von Regen- oder Schneetagen.

Der jährliche «Journée Lausannoise du vélo» trägt dazu bei, das Image von Lausanne als velofreundliche Stadt zu verstärken ebenso wie die Durchführung der Velokurier-WM Ende Juli 2013. Schliesslich koordiniert die Leiterin der Velofachstelle zahlreiche Aktivitäten, politische Vorstösse und die Arbeitsgruppe «Deux-Roues Légers» und erzeugt damit über die Stadtgrenzen hinaus Wirkung.

Massnahmen(in französischer Sprache)

Stiftung Habitat, Basel

Kinderverkehrsgarten in den Stiftungsräumlichkeiten von Habitat Basel

Die Stiftung Habitat setzt sich für eine lebensfreundliche und wohnliche Stadt ein und handelt nach ökologischen Grundsätzen. Als Besitzerin von 30 Liegenschaften mit 188 Wohnungen hat sie direkten Einfluss auf die Stadtentwicklung. Es ist darum auch nachvollziehbar, dass sich die Stiftung für velofahrende Mitarbeitende und allgemeine Veloförderung engagiert.

An den verschiedenen Standorten der Stiftung steht jeder/jedem Mitarbeitenden ein Veloparkplatz zur Verfügung. Gewonnen wurden diese teilweise durch Interventionen bei der Stadt Basel, wo in der letzten Zeit auf öffentlichem Grund mehr als acht Autoparkplätze aufgehoben werden konnten. Die Stiftung verzichtet dadurch jährlich auf Mieteinnahmen von über CHF 20‘000.

Den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle werden die Reparaturen und der Service ihrer Velos, die Velofinder-Vignette und die Hälfte der Abo-Kosten im Bereich des Tarifverbundes TNW bezahlt. Ein E-Bike mit Anhänger-Kupplung und Anhänger dient den Transporten im Betrieb, steht aber auch den Mitarbeitenden zur Verfügung. Der geplante Umbau des Stiftungssitzes wird die Velofreundlichkeit der Stiftung Habitat weiter verbessern, werden doch dort dann Duschen zur Verfügung stehen.

Ein bereits vorhandenes Mobilitätskonzept für die geplante Überbauung Erlenmatt-Ost sieht mehrheitlich autofreie Haushalte vor. Pro Zimmer der Überbauung soll ein Veloparkplatz erstellt werden. Vorgesehen ist auch eine Velowerkstatt mit Velo-Verleih für Spezialvelos (Transport-Anhänger, E-Bikes). Während den Wintermonaten 2013 betrieb die Stiftung Habitat bereits zum dritten Mal einen Kinderverkehrsgarten in der grossen, unbeheizten Halle der Aktienmühle. Auf dem Areal finden jeweils im Frühling der grosse Velo-Putz- und -Flick-Tag sowie der Veloteile-Flohmarkt statt.

Massnahmen

vélocité sàrl, Lausanne (Yverdon und Neuenburg)

Velokurier von vélocité Lausanne mit Cargobike

Die Veloaffinität der Velokurier-Organisation mit Hauptsitz in Lausanne ist bereits aus dem Namen ersichtlich. Velokuriere bewegen sich jeden Tag auf dem Velo. Sie pflegen und reparieren regelmässig ihre Velos in der dafür zur Verfügung gestellten Werkstatt oder können ihre Velos dort zur Wartung abgeben. Bei Bedarf werden sie durch Fachpersonen instruiert, wie sie Reparaturen selbst vornehmen können. All diese – für einen anderen Betrieb bereits aussergewöhnlichen Massnahmen - sind bei vélocité Voraussetzung, um überhaupt die Dienstleistungen als Velokurier zu erbringen.

vélocité ist damit voll und ganz dem Velo verpflichtet und müsste dadurch in einer separaten Kategorie bewertet werden. Aus diesem Grund vergibt die Jury der Organisation einen Spezialpreis.

Alle Mitarbeitenden fahren mit dem Velo zur Arbeit. Pro Mitarbeitende/r stehen fast zwei Veloabstellplätze zur Verfügung. Autoparkplätze hat es keine. Zweimal pro Jahr fahren die Mitarbeitenden zusammen aus. Dies gibt einerseits die Gelegenheit, sich über gute Velorouten auszutauschen und andererseits, um das Velo-Image gegenüber der Öffentlichkeit zu zelebrieren.

Für die Mitarbeitenden stehen selbstverständlich Duschen, Garderoben und Garderobenkästen bereit, Velohelme sind obligatorisch und werden in der Folge auch zur Verfügung gestellt.

Als auf den Strassen sichtbare Imagevertreter bestätigen die Mitarbeitenden bei vélocité schriftlich ihre Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit für sicheres risikoarmes Velofahren, Respekt gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern und das Einhalten von Verkehrsregeln.

vélocité steht in regelmässigem Kontakt zum «délégué vélo» von Lausanne und leistet wertvolle Arbeit zur Verbesserung der Sicherheit für Velofahrende, indem sie auf heikle Stellen aufmerksam macht. Alle Direktionsmitglieder von vélocité sind Mitglied bei PRO VELO Lausanne oder Anon bike und geben ihre Erfahrungen aus der Praxis auch hier gerne weiter. Diese Aktivitäten gehen über die eigentliche Veloförderung für Mitarbeitende hinaus, kommen indirekt aber auch wieder den Mitarbeitenden und der Standortgemeinde zugute.

Massnahmen (in französischer Sprache)